Aquaristik

Wasser

Als Lebenselement der Fische stellt Wasser den wichtigsten Umweltfaktor im Aquarium dar. Seine Beschaffenheit hat großen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere und das Wachstum der Pflanzen. Die chemischen Zusammensetzung des Wassers hat somit maßgebliche Bedeutung für den Erfolg unseres Aqauriums.

In den meisten Fällen wird für die Befüllung des Aquariums reines Leitungswasser benutzt. Da gerade im Frühjahr viel gedüngt wird, landen viele Düngemittel, Pflanzenschutzmittel etc. direkt im Grundwasser und somit auch im Trinkwasser. Weiteres Problem ist, dass das Wasser auf einen alkalischen pH-Wert eingestellt wird.

Probleme:

Leitungswasser enthält Nitrat, Pflanzenschutzmittel, Kohlenwasserstoffverbindungen und Schwermetalle
für Pflanzen wichtige Nährstoffe werden entfernt: Eisen, Mangan, Kohlensäure, organischen Bestandteile
alkalischer pH-Wert
Folge ist, dass Leitungswasser unbehandelt nicht besonders für die Zierfischhaltung geeignet ist.

Die wichtigsten Wasserwerte sollten also bestimmt werden, um Leitungswasser trotzdem für die Verwendung im Aquarium aufzubereiten.

Gesamthärte wird durch Calcium und Magnesium bestimmt. In Gebieten mit Kalk-, Gips oder Dolomitböden findet man hartes Wasser, Sandbodengebiete eher weiches Wasser. Die Einheit für die Gesamthärte ist Deutsche Härtegrad.

0-4 ° GH sehr weich
4-8° GH weich
8-12° GH mittelhart
12-30° GH hart
30++° GH sehr hart
Karbonathärte wird gebildet aus Carbonat und Hydrogencarbonat. Auch die Karbonathärte wird in Deutsche Härtegrad angegeben, jedoch mit dem Kürzel KH. Die Karbonathärte hat entscheidenden Einfluss auf den pH-Wert des Wassers. Der Optimalwert ist abhängig von der Art der gepflegten Fische. Deshalb sollte man vor Planung der Anschaffung eines Aquariums bereits die vorliegende Wasserwerte prüfen und ggf. die Arten danach auswählen. Die Karbonathärte ist Bestandteil des wichtigesten Puffersystems des Wasseres, das große pH-Wert-Schwankungen verhindert. Zusammen mit Kohlendioxid und organischen Säuren bestimmt sie den pH-Wert des Wassers. Möchte man den pH-Wert senken, muss man mit karbonatarmen Wasser verdünnen, z.B. destilliertem Wasser, ist eine Erhöhung erforderlich, kann Natriumhydrogencarbonat hinzugegeben werden.

pH-Wert gibt an, wieviele freie Wasserstoffionen sich in einer Lösung befinden, sprich in welchen Verhältnis Säuren und Basen vorhanden sind. Im Laufe der Evolution haben sich bestimmte Zierfischarten an einen ganz speziellen pH-Wert angepasst. Dieser ist dann selbstverständich auch genau der richtige, um die Fische erfolgreich in seinem Aquarium zu pflegen. Da der pH-Wert in enger Beziehung zur GH und KH steht, macht eine künstliche Änderung mit pH+ oder pH- wenig Sinn.

Stickstoff: durch die Ausscheidungen der Fische sowie durch Futterreste gelangen immer wieder organische Substanzen ins Aquarienwasser. Diese bestehen zum großen Teil aus Stickstoffverbindungen bestehen. Der Abbau erfolgt folgendermaßen:

Eiweiße -> organische Stickstoffverbindungen -> Ammonium -> Nitrit -> Nitrat

Bei diesen Reaktionen wird Sauerstoff verbraucht. Wichtig für diesen Abbauprozess sind die Bakterien Nitrosomonas und Nitrobacter. Man findet sie im Bodengrund, im Filter und auf Dekorationsmaterial.

Ammonium ist für Fisch und Pflanze recht ungefährlich, wandelt sich aber schnell in Ammoniak um, welches äußerst toxisch wirkt. Abhilfe bei erhöhter Ammoniakkonzentration schafft hier ein Teilwasserwechsel.

Nitrit ist ein Zwischenprodukt bei der Oxidation und wird bei normaler Bakteriendichte schnell zu Nitrat umgewandelt. Es ist sehr giftig für Fische und Pflanzen.

Nitrat ist die Endstufe des Stickstoffabbaus. Der Gehalt steigt immer weiter an. Problematisch ist, dass durch Überdungung der Landwirtschaft bereits unser Trinkwasser mit bis zu 50mg/l Nitrat beinhaltet.

Sauerstoff wird hauptsächlich von unseren Aquarienpflanzen produziert. Aussprudler und Ausströmer können das Aquarienwasser bei weitem nicht mit dem gleichen Sauerstoff anreichern. Dies wird in Praxis oft überschätzt.

Fische und auch die Nitrifikationsbakterien benötigen weniger Sauerstoff als angenommen. Ein Wert von 5mg/l kann als ausreichend angesehen werden.

Kohlendioxid ist die Hauptnahrung unserer Aquariumpflanzen und ein wichtiger Bestandteil des Puffersystems des Aquariums. Steigt sein Gehalt im Aquarium an, steigt auch der pH-Wert.

Eisen ist ein Spurenelement, das sowohl von Pflanzen als auch von Tieren benötigt wird. Bei Eisenmangel wachsen die Pflanzen nicht mehr und bekommen weiße Flecken, da sie das Chlorophyll nicht mehr aufbauen können.

Das Problem ist, dass Leitungswasser enteisent wird, damit das Leitungsnetz geschont wird. Ein Minimalwert von 0,03mg/l sollte erreicht werden.

Pflege

In der Natur haben Gewässer meist Kontakt zum Grundwasser und dadurch ständig Strömung und Wasseraustausch. Abbauprodukte und Keime werden dadurch verdünnt und abgespült. Dies ist im Aquarium so auf natürlichem Wege nicht möglich, hier muss der Aquarianer selbst eingreifen.

Selbst der noch so technisierte Filter kann zwar die Strömung nachahmen und giftige in ungiftige Stoffe umwandeln, trotzdem wird viel von den schädlichen Substanzen wieder herumgewirbelt.

Vorteile des Teilwasserwechsels sind:

organische Abfallprodukte und Stoffwechselprodukte werden entfernt oder verdünnt
Phosphatwert wird gesenkt
Giftkonzentration wird gesenkt
kurzfristige Temperatuernierdrigung kann das Balzverhalten der Tiere ankurbeln
Wichtig ist, dass lieber öfter kleinere Mengen ersetzt werden sollten als große Mengen in großen Zeitabständen. Je weniger Pflanzen vorhanden und je mehr (große) Fische gehalten werden, desto öfter muss Wasser gewechselt werden. Als Richtwert kann man 30% alle 14 Tage rechnen. Wasser kann man direkt aus der Leitung, jedoch mit Wasseraufbereiter oder Osmosewasser bzw. Aqua dest. verwenden. Letzteres ist günstiger, da es von allen Schwermetallen, Nitrat und sonstigen Giften befreit ist.

Wichtig ist, nicht nur das verdunstete Wasser zu ersetzen, dies führt zu einer Aufsalzung des Aquariums und somit zu Nachteilen für Pflanzen und Tieren.

Filterung im Aquarium

Früher ging man davon aus, dass der Filter das Universalheilmittel zur Wasserentgiftung sei. Man weiß heute jedoch, dass die im Filter angesiedelten Bakterien genauso im Bodengrund an im normalen Aqariumwasser heimisch sind. Ist das Aquarium also dicht bepflanzt, kann man auf eine aufwendige Filterung und damit große Filtergehäuse verzichten.

Wie arbeitet ein Filter?

Nach einer gewissen Einlaufphase überzieht sich sein Füllmaterial (Tonröhrchen, poröses Gestein, Filterwatte o.ä.) mit einem Bakterienrasen und Einzellern, die die Entgiftungsarbeit übernehmen. Dafür brauchen sie Sauerstoff, die sie dem durchströmenden Wasser entnehmen. Angepasst an die Besatzdichte und die Wasserbelastung vermehren sich diese Bakterien. Nachteil eines Filters ist, dass die für Pflanzen wichtigen Nährstoffe (Ammonium) und Spuremelemente (Eisen, Mangan) ausgefällt werden und sich als brauner Mulm absetzt und somit den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung steht.

Die Größe und Leistung des Filters sollte von der Größe des Beckens und der Besatzdichte abhängig gemacht werden. Der Grundsatz „Viel hift viel“ und „je größer desto besser“ ist hier definitiv falsch. Eine zu hohe Strömung treibt das CO2 aus und fördert die Bildung von Rotalgen.

In mäßig besetzten Aquarien sollte also der Durchfluss nicht mehr als ein Beckenvolumen pro Stunde betragen. Ist der Besatz dichter, sollte der Durchfluß höher sein.

Von der technischen Seite her kann man luftbetriebene Filter und Kreiselpumpenfilter unterscheiden, jeweils als Außen- oder Innenfilter erhältlich. Weiterhin gibt es noch Rieselfilter, bei denen das Filtermaterial langsam von oben berieselt wird. Dadurch enthält das in das Becken zurücklaufende Wasser mehr Sauerstoff. Nachteil ist jedoch auch hier, dass CO2 aus dem Wasser ausgetrieben wird und dadurch das Pflanzenwachstum gefährdet wird.

Der Filterrücklauf sollte nicht plätschernd auf die Wasseroberfläche treffen, sondern diese möglichst nicht bewegen.

Filtersubstrate:

Lavakies
Biobälle
Schaumstoff
Perlonwatte
Aktivkohle
Torf
Wichtig bei einer Neuanschaffung ist das Einfahren oder Einlaufen des Filters. Experimente ergaben, dass ein Filter erst nach 30-40 Tagen die erforderlichen Bakterienkulturen aufgebaut hat. In der Zwischenzeit kann es zu einem erhöhten Nitrit-Gehalt im Aquariumwasser kommen. Es ist also etwas Geduld angebracht, bevor man das neue Aquarium mit Fischen besetzt. Im letzten Drittel der Einlaufphase kann man die Bakterien an die bevorstehende Aufgaben mit der Gabe von Fischfutter vorbereiten.

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